Alles schwerer ?!

Alles schwerer ?!

Die strahlende Schwangere, fast platzend vor Glück und vor Babybauch – das ist das Bild, dass man im Allgemeinen von schwangeren Frauen präsentiert bekommt. Und ja, an vielen Tagen mag dieses Bild zutreffend sein, doch es ist genauso normal und okay, auch mal richtig deprimiert zu sein. Wichtig ist, seine Gefühle auch in diesen Momenten zuzulassen und anzunehmen, um sie dann weiterziehen zu lassen. Den folgenden Text habe ich, Anne, in einer solcher Depri-Phase ungefähr im siebten Monat meiner Schwangerschaft geschrieben. Ich habe mir den Frust und die Angst von der Seele getippt, habe dabei richtig geheult und diese negativen Gefühle dadurch loslassen können. Liebe Mama, vielleicht siehst du dich ja in meinen Worten oder Teilen davon wieder. Du sollst wissen, du bist nicht allein und es ist okay, sich – auch mit dem größten Glück im Bauch – einfach mal richtig bescheiden zu fühlen. Wenn wir unsere Gefühle zeigen, könnten sich andere Schwangere oder Mamas ebenfalls ermutigt fühlen, ihre Emotionen zuzulassen, und so zu heilen. Alles ist okay, alles erlaubt. Denn an manchen Tagen fühlt sich alles ein bisschen schwerer an.

Heute ist alles ein bisschen schwerer. Heute kann ich nicht mit einem Lächeln und einem „Mir geht‘s gut“ meine wahren Gefühle überspielen. Mit dem Baby ist alles wunderbar, das ist das Wichtigste. Doch dabei vergesse ich leicht, wie es mir selbst geht. Der Optimismus hat mich verlassen. Vielleicht ist es morgen schon wieder anders, aber heute ist alles ein bisschen schwerer.

Wie lange soll ich noch ein bisschen länger durchhalten? Wie lange noch positiv denken? Ich warte gespannt auf den 1. Dezember, ich warte gespannt auf den 1. Januar, auf den 10. Januar, auf den 31. Januar. Wann ist dieser beschissene Lockdown endlich vorbei, oder zumindest gelockert? Zu Jahresbeginn war ich so voller Hoffnung, dass sich bald Besserung einstellt, doch das Gegenteil ist der Fall. Härtere Maßnahmen und ein Lockdown bis Ostern stehen im Raum. Bis Ostern! Ich hatte so gehofft, dass ich mein Baby nicht während eines harten Lockdowns auf die Welt bringen muss. Ich habe Angst, dass ich gehemmt bin, es in diese Welt zu entlassen. Ich habe Angst, am Ende doch alleine da zu stehen, weil es die Corona-Regeln verlangen. Als wäre die Verunsicherung vor der Geburt nicht schon genug, auch ohne globale Pandemie.

Ich habe es satt daheim zu sein, weil ich nur noch daheim bin. Ich habe es satt im Kreis spazieren zu gehen, weil das das einzige ist, was ich machen darf. „Gehen Sie schwimmen, das ist der beste Sport in der Schwangerschaft“ sagt meine Schwangerschafts-App. Aha. „Fünf tolle Spiele für die Baby-Party“, schlägt sie an einem anderen Tag vor. Grmpf. Gemeinsam den Geburtsvorbereitungskurs erleben, in Austausch kommen. Babysachen mit der Mama oder der Freundin shoppen. Kreissaalbesichtigung.

Nichts davon ist mir gewährt. F*** you Schwangerschafts-App und deine blöden Vorschläge.

Ich versinke in Selbstmitleid, aber ist das wirklich ein Wunder? Man hört von den typischen Stimmungsschwankungen, doch wie soll ich unterscheiden was von meiner depressiven Stimmung nicht einfach vollkommen logisch ist, angesichts der Lage.

Dazu kommen die ganz alltäglichen Katastrophen – Krisen, die jeder in irgendeiner Form durchmacht. Bei mir sind es, alleine im Januar, erneute Kurzarbeit und Omas Schlaganfall. Wie viel kann ich noch aushalten? Da ist doch noch der Papa. Ja richtig. Doch dem geht‘s an manchen Tagen sogar noch ein bisschen schlechter. Mental. Einfach fertig. Rackert sich Montag bis Sonntag ab, schließlich ist er bald Alleinverdiener. Gleichzeitig entgehen ihm die wundervollen Momente beim Frauenarzt, wenn unser kleiner Schatz am Bildschirm tanzt. Meine Lieblingsmomente. Er hat die nicht. Er darf nicht. Wie lange kann das ein Mensch durchhalten? An einem Sonntag platzt die Bombe. Ich kann und will nicht mehr so viel alleine sein, so viel mit mir selbst ausmachen müssen. Es muss immer schlimmer werden, bevor es besser wird. Es wurde schlimm. Beide kompletter Zusammenbruch. Dabei wollen wir doch nur glücklich sein. Einen Sonntag bleibt er daheim. Die nächsten beiden hat er keine Wahl. Und wieder allein mit meinen Gedanken, mit mir selbst in dem Raum, auf dem Stuhl, auf dem Sofa auf dem ich arbeite, schlafe, esse, lebe.

Ich sage oft: „Ich kann bald nicht mehr“, aber die Wahrheit ist, ich kann jetzt schon nicht mehr. Sehe nichts schönes mehr in einem Spaziergang, schmecke nichts wohltuendes in einer Tasse Kaffee, empfinde eine warme Dusche nur als lästiges Übel – irgendwann muss man ja mal duschen. Es ist niemand da, der diese Emotionen auffangen kann, wenn ich selber nicht dazu in der Lage bin. Alle haben genug mit sich selbst zu tun. Ich habe genug für uns zwei zu tun. „Geht es der Mama schlecht, merkt es das Baby“, heißt es. Das tut mir unendlich leid für dich Baby. Ich wiege mich sanft hin und her, um dich zu trösten. Dabei bist du es, der mir so unglaublich viel Trost spendet. Ich weiß nicht wo ich ohne dich wäre, in dieser verrückten Zeit. Eine Träne tropft auf den Boden vor meinen Füßen. Ich spüre deine sanften Bewegungen in meinem Bauch – und lächle. 

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